Was ist MANUFACTOR?
MANUFACTOR ist ein dreijähriges Forschungs- und Entwicklungsprojekt (Juni 2026 – Mai 2029), koordiniert von der Universität Skövde in Schweden. Der Fokus: Human Augmentation in der industriellen Fertigung – durch den Einsatz von KI, tragbaren Sensoren und Echtzeit-Daten, um die Arbeit in der Produktion sicherer, intelligenter und ergonomischer zu gestalten.
Das Projekt umfasst drei industrielle Pilotanwendungen mit Volkswagen, Hitachi Energy und Thiel – drei Unternehmen, die sehr unterschiedliche Fertigungsumgebungen repräsentieren: von der Automobilmontage in Portugal über Komponenten für die Energieinfrastruktur bis hin zur metallurgischen Produktion in Österreich. Diese Vielfalt ist bewusst gewählt. Sie stellt sicher, dass die Technologie unter realen Bedingungen erprobt wird – nicht in kontrollierten Laborsettings.
Drei Kerntechnologien
MANUFACTOR baut auf drei komplementären Systemen auf, die zusammenwirken:
OMNI-SENSE Suite – ein multimodaler Sensing-Stack, der Eye-Tracking-Smartglasses mit Biosignal-Sensoren, Umgebungsdaten (Lärm, Temperatur, Luftqualität) und 3D-Körperhaltungserfassung kombiniert. Gemeinsam liefern sie ein Echtzeit-Bild sowohl des Operators als auch seiner Umgebung.
AI Agent Suite – ein konversationeller KI-Assistent, der auf der unternehmenseigenen Wissensbasis aufbaut. Vergleichbar mit einem erfahrenen Kollegen, der jedes Handbuch gelesen und den erfahrensten Kolleginnen und Kollegen über die Schulter geschaut hat – und genau dann verfügbar ist, wenn man ihn braucht: direkt am Arbeitsplatz, im entscheidenden Moment.
Human Digital Twins – Live-Modelle des physischen und kognitiven Zustands jedes einzelnen Operators. Das Ziel: Erschöpfung antizipieren, Überlastung vorhersagen und Empfehlungen anpassen, bevor Probleme entstehen – nicht erst danach.
Diese drei Systeme arbeiten nicht isoliert. Sie bilden einen kontinuierlichen Kreislauf: Sensoren liefern Daten, KI kontextualisiert sie, und der Digital Twin übersetzt sie in konkrete Handlungsempfehlungen für den Operator.
Die Rolle von Viewpointsystem: erfassen, was das Auge sieht
Unser Beitrag sind die VPS Next Eye-Tracking-Smartglasses, die einen zentralen Teil des OMNI-SENSE Sensing-Stacks bilden. Konkret: Die Brille erfasst, wohin Operatoren blicken, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten und wie sich ihr Blickverhalten, insbesondere bei komplexen Aufgaben, verändert und wie stark sie kognitiv belastet sind – in Echtzeit, ohne den Arbeitsfluss zu unterbrechen.
Diese Daten fließen direkt in den Wissensgraphen der AI Agent Suite und in die Human Digital Twin-Modelle ein. Es geht nicht nur darum, aufzuzeichnen, was passiert. Es geht darum, ein System zu entwickeln, das den Unterschied erkennt zwischen einem Operator, der eine Routineaufgabe sicher ausführt, und einem, der unsicher ist, unter Überlastung arbeitet oder außerhalb seiner gewohnten Umgebung tätig ist.
Beim Kickoff in Schweden führte Katarzyna die erste Live-Demo vor dem gesamten Konsortium durch. Die Reaktion übertraf die Erwartungen – jeder Partner wollte die Brille ausprobieren. „Das Interesse hat wirklich meine Erwartungen übertroffen“, sagte sie. „Alle wollten nicht nur verstehen, was die Brille kann, sondern was möglich wird, wenn man sie mit dem Rest des Systems kombiniert.“
Was oft übersehen wird: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst
Technologieprojekte in der Fertigung konzentrieren sich häufig darauf, was ein System leisten kann. MANUFACTOR fragt zusätzlich: Wer wird es nutzen und was denken die Menschen, die damit arbeiten?
Von Beginn an sieht das Projekt strukturierte Arbeitsgruppen vor, an denen Werkmitarbeiter und ihre Vertreter beteiligt sind. Diese Gruppen testen die Technologie nicht erst nach ihrer Fertigstellung. Sie gestalten mit, wie sie entwickelt wird, was sie misst, wie sie kommuniziert und welche Grenzen sie respektiert. Mitarbeiter können Bedenken einbringen, Änderungen vorschlagen und die Bedingungen definieren, unter denen sie komfortabel teilnehmen möchten.
Das ist wichtig, weil Wearable-Technologie im Arbeitsumfeld reale Fragen aufwirft: Wer sieht die Daten? Kann jemand Nein sagen? Hilft mir das, oder werde ich damit gemessen?
Der Ansatz von MANUFACTOR: Diese Fragen gemeinsam mit den Betroffenen zu beantworten, nicht für sie. Das ist nicht nur ethisch richtig, es ist auch gutes Design. Technologie, der Mitarbeiter vertrauen und die sie nutzen wollen, ist Technologie, die tatsächlich funktioniert.
Wie es weitergeht
Für Viewpointsystem steht MANUFACTOR für etwas, auf das wir lange hingearbeitet haben: die Möglichkeit, Eye-Tracking-Technologie in nachhaltigen, realen industriellen Umgebungen einzusetzen – gemeinsam mit Partnern, die denselben Anspruch an Qualität und Wirkung teilen.
In den nächsten drei Jahren durchläuft das Konsortium Entwicklung, Testing und vollständige Pilotimplementierung. Wir werden regelmäßig über den Fortschritt berichten.
Mehr über das Projekt erfahren Sie auf der LinkedIn-Seite von MANUFACTOR.




